Zuletzt geprüft am 13. Oktober 2026
Zahlt eine vietnamesische Gesellschaft Zinsen an Ihre deutsche GmbH, behält sie 5 % ein. Auf Lizenzgebühren sind es 10 %.
Das Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland erlaubt 10 % auf Zinsen, das liegt über dem vietnamesischen Satz. Es bleibt also bei 5 %, nur bei Lizenzgebühren kann das Abkommen mit 7,5 % unter dem nationalen Satz liegen.
Vietnam nennt diese Steuer Foreign Contractor Tax, kurz FCT. Zinsen und Lizenzgebühren sind dabei nur ein Teil, sie trifft fast jede Zahlung an ausländische Vertragspartner.
Die Sätze im Überblick
| Empfänger | Dividenden | Zinsen | Lizenzgebühren |
|---|---|---|---|
| Ausländische Gesellschaften ohne Abkommen | nicht aufgeführt | 5 % | 10 % |
| Gesellschaften aus Deutschland, Abkommensgrenze | nicht aufgeführt | 10 % | 7,5 % oder 10 % |
Für Dividenden nennt die PwC-Übersicht keine Quellensteuer. Die Sätze oben sind der Körperschaftsteueranteil der FCT, dazu kann Umsatzsteuer kommen.
Wie die Foreign Contractor Tax funktioniert
Die FCT greift, sobald ein vietnamesisches Unternehmen mit einem ausländischen Vertragspartner abschließt und das Geld aus Vietnam fließt. Ausgenommen sind reine Warenlieferungen und Leistungen, die vollständig im Ausland erbracht und genutzt werden.
Auch bestimmte Vertriebsmodelle in Vietnam fallen darunter. Ausländische Vertragspartner mit Betriebsstätte können unter Umständen auf den Nettogewinn besteuert werden, die Regeln dazu sind aber meist unklar.
Bei der direkten Methode behält der vietnamesische Vertragspartner Körperschaftsteuer zwischen 0,1 % und 10 % und Umsatzsteuer zwischen 2 % und 5 % ein. Die Umsatzsteuer kann er unter Bedingungen als Vorsteuer geltend machen.
Ausländische Vertragspartner können sich auch für die normale Umsatzsteuer mit Vorsteuerabzug entscheiden, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen.
Die FCT-Sätze nach Art der Zahlung
| Zahlungsart | Umsatzsteuer | Körperschaftsteuer |
|---|---|---|
| Lieferung und Vertrieb von Waren in Vietnam, auch nach Incoterms mit Risiko in Vietnam | befreit oder 1 % | 1 % |
| Dienstleistungen, auch über E-Commerce und digitale Plattformen, Management von Restaurants, Hotels und Casinos | 5 % oder 10 % | 5 % oder 10 % |
| Bau und Montage | 3 % oder 5 % | 2 % |
| Transport | 3 % | 2 % |
| Zinsen | befreit | 5 % |
| Lizenzgebühren | befreit oder 5 % | 10 % |
| Verkauf von Wertpapieren | befreit | 0,1 % |
| Finanzderivate | befreit | 2 % |
| Sonstige Tätigkeiten | 2 % | 2 % |
Umsatzsteuer fällt nicht an, wenn die Ware befreit ist oder die Einfuhrumsatzsteuer schon bezahlt wurde. Internationaler Transport hat 0 % Umsatzsteuer.
Software, Technologietransfer und die Übertragung geistigen Eigentums samt Urheber- und gewerblicher Schutzrechte sind von der Umsatzsteuer befreit. Andere Lizenzgebühren können Umsatzsteuer auslösen.
Seit dem 1. Juli 2025 gilt ein neues Rundschreiben zur Umsatzsteuer mit neuen FCT-Sätzen je Geschäftsart. Für den genauen Satz und die Bemessungsgrundlage sind dieses Rundschreiben und die Regeln zum neuen Körperschaftsteuergesetz maßgeblich.
E-Commerce und digitale Plattformen
Ausländische Anbieter, die ohne Betriebsstätte über E-Commerce oder digitale Plattformen an vietnamesische Kunden verkaufen, müssen sich in Vietnam selbst registrieren. Sie erhalten eine Steuernummer und erklären online, seit dem 1. Juli 2026 monatlich statt vierteljährlich.
Betreiber in- und ausländischer Plattformen behalten Steuern für Verkäufer ein, auch für gebietsfremde Gesellschaften auf ihre vietnamesischen Einkünfte. Die Sätze liegen bei 0,5 % bis 5 % Einkommensteuer und 1 % bis 5 % Umsatzsteuer.
Seit dem neuen Körperschaftsteuergesetz vom 1. Oktober 2025 zählen solche Plattformen ausdrücklich als Betriebsstätte. Das kann Befreiungen aus Abkommen gefährden.
Die Abkommen
Abkommen können den Körperschaftsteueranteil der FCT senken oder aufheben. Zinsen an bestimmte staatliche Stellen sind meist frei.
| Staat | Zinsen | Lizenzgebühren |
|---|---|---|
| Belarus | 10 % | 15 % |
| Belgien | 10 % | 5 %, 10 % oder 15 % |
| Dänemark | 10 % | 5 % oder 15 % |
| Frankreich | 0 % | 10 % |
| Hongkong | 10 % | 7 % oder 10 % |
| Israel | 10 % | 5 %, 7,5 % oder 15 % |
| Kuwait | 15 % | 20 % |
| Polen | 10 % | 10 % oder 15 % |
| San Marino | 10 % oder 15 % | 10 % oder 15 % |
| Thailand | 10 % oder 15 % | 15 % |
Wie Deutschland, also 10 % auf Zinsen und 7,5 % oder 10 % auf Lizenzgebühren, liegen Estland, Italien, Kanada, Lettland, Österreich, Portugal und Saudi-Arabien.
Je 10 % sehen die Abkommen mit Aserbaidschan, Australien, Brunei, China, Finnland, Indien, Iran, Island, Japan, Kambodscha, Kasachstan, Kroatien, Kuba, Laos, Luxemburg, Macau, Malaysia, der Mongolei, Marokko, Mosambik, Myanmar, Neuseeland, Nordkorea, Nordmazedonien, Norwegen, Oman, Palästina, Panama, Serbien, den Seychellen, Spanien, der Schweiz, Tschechien, Tunesien, der Türkei, der Ukraine, Ungarn, Uruguay, Venezuela, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Vereinigten Königreich und Zypern vor.
Auf 10 % bei Zinsen und 15 % bei Lizenzgebühren kommen Bulgarien, Rumänien, Russland, Sri Lanka, Taiwan und Usbekistan. Je 15 % gelten mit Ägypten, Algerien, Bangladesch, Indonesien, Pakistan und den Philippinen.
Irland, Malta, die Niederlande und die Slowakei nehmen 10 % auf Zinsen und 5 %, 10 % oder 15 % auf Lizenzgebühren. Korea und Schweden liegen bei 10 % und 5 % oder 15 %, Katar, Singapur und die Vereinigten Staaten bei 10 % und 5 % oder 10 %.
Noch nicht in Kraft
Die Abkommen mit Ägypten, Algerien, Nordmazedonien, den Vereinigten Staaten und Zypern gelten noch nicht.
Verfahren und Streitbeilegung
Für Abkommensvorteile gibt es ein förmliches Prüfverfahren mit festgelegten Unterlagen. Die Behörde muss eine Ablehnung mitteilen, eine Zustimmung aber nicht ausdrücklich erteilen.
Vietnam wendet seit dem 1. September 2023 das Multilaterale Instrument der OECD gegen Gewinnverlagerung an. Seit dem 1. Dezember 2023 gilt das Übereinkommen über gegenseitige Amtshilfe in Steuersachen, der Informationsaustausch läuft seit dem 1. Januar 2024.
Streit lässt sich über Einspruch, Gericht oder ein Verständigungsverfahren nach dem jeweiligen Abkommen lösen.
Wie Zinsen und Lizenzgebühren aus Vietnam in Deutschland besteuert werden, klären wir im Erstgespräch für Ihre Struktur.
Abgeglichen mit der PwC Worldwide Tax Summary für Vietnam, dort zuletzt aktualisiert am 23. September 2026. Die Angaben ersetzen keine Beratung im Einzelfall.


