Kryptofreundlichkeit messen wir an zwei Dingen: wie stark ein Land Kryptowährungen reguliert und wie es sie besteuert.
Investoren in den Vereinigten Staaten kennen das Thema Steuern auf Kryptogewinne bereits gut. Die USA verfolgen seit Jahren eine harte Linie, und die Regeln werden weiter verschärft.
Wer sich fragt, wo die Vorschriften lockerer sind, findet nachfolgend einige Jurisdiktionen mit einem anderen Ansatz. Für Investoren in Bitcoin (CCC: BTC-USD) und andere Kryptowährungen sind diese Länder eine Überlegung wert:
- Portugal
- Schweiz
- Deutschland
- Singapur
- Malta
- Zypern
- Bermuda
Kryptofreundliche Länder: Portugal
Portugals Steuerbehörden nehmen gegenüber Kryptowährungs-Investitionen eine milde Haltung ein. Wer Kryptowährungen kauft und verkauft, muss die Kapitalgewinne nicht versteuern.
Auch der Tausch von Kryptowährungen in eine andere Währung bleibt steuerfrei.
Für Privatanleger mit Einkommen in Kryptowährung ist Portugal ebenfalls günstig. Nur für Unternehmen gilt die normale Kapitalertragssteuer.
Portugals Steuerbehörden werden zudem mit der Aussage zitiert, ein Austausch von Kryptowährung gegen “echte” Währung stelle eine mehrwertsteuerfreie Dienstleistung auf Abruf dar.
Einzelne Kryptowährungsinvestoren sind mit Portugal wegen dieser Haltung gut beraten. Unternehmen genießen die gleiche Nachsicht nicht, eine Welle von Firmenumzügen nach Portugal ist deshalb nicht zu erwarten.
Das Land bietet außerdem mehrere Programme, mit denen sich Krypto-Investoren auf der Iberischen Halbinsel niederlassen können. Aufenthalts- und Staatsbürgerschaftsbestimmungen zählen zu den aufgeschlossensten überhaupt.
Die Schweiz
Die Schweiz ist für hohe Bankenstandards bekannt, die viel Privatsphäre bei geringem Risiko bieten. Auch für Krypto-Investoren setzt das Land nur milde Vorschriften.
Jeder der 26 Kantone hat seine eigene rechtliche Definition für den Umgang mit Kryptowährung.
Ein Kanton kann Kryptowährung besteuern, ein anderer nicht, selbst innerhalb eines Kantons unterscheiden sich die auslösenden Regeln.
In Zürich sind Kapitalgewinne aus beweglichem Privatvermögen steuerfrei, was auch für Bitcoin und andere Kryptowährungen gelten könnte. Mining-Gewinne dagegen werden als reguläres Einkommen besteuert.
In Bern gelten strengere Vorschriften: Mining und Handel zählen dort als reguläre Einnahmen. Luzern orientiert sich eher an Zürich und behandelt Kapitalgewinne steuerfrei.
Auf gesamtschweizerischer Ebene lässt sich also nicht pauschal von einem kryptofreundlichen Land sprechen. Auf Kantonsebene sieht das für viele Regionen anders aus.
Deutschland
Deutschland behandelt Kryptowährung als privates Geld, da sie nirgends im Land als gesetzliches Zahlungsmittel gilt. Die Gesetze begünstigen damit langfristige Buy-and-Hold-Investoren, Daytrader sollten ihre Pläne dagegen überdenken.
Wer Kryptowährungen länger als ein Jahr hält, zahlt darauf keine Steuern, unabhängig von der Höhe des Verkaufserlöses. Bei einer Haltedauer unter einem Jahr fällt dagegen Kapitalertragssteuer auf Beträge über 600 Euro (rund 712 US-Dollar) an.
Für kurzfristigen Handel eignet sich Deutschland deshalb nicht. Unternehmen unterliegen wie in vielen anderen kryptofreundlichen Ländern der Kapitalertragssteuer, für einzelne Investoren mit langfristiger Perspektive bleibt Deutschland dagegen attraktiv.
Singapur
Singapur zählt zu den stabilsten und am weitesten entwickelten Volkswirtschaften der Welt, mit gutem Zugang zu vielen Industrie- und Entwicklungsländern.
Als Fintech-Drehscheibe Südostasiens überwacht die Monetary Authority of Singapore, die Zentralbank des Landes, das Krypto-Ökosystem gegen Geldwäsche und andere illegale Aktivitäten. Innovationen sollen dabei aber nicht ausgebremst werden.
Viele sehen den Stadtstaat deshalb als ausgewogenes regulatorisches Umfeld für Krypto.
Sopnendu Mohanty, Chief Fintech Officer der Zentralbank, sagte in einem Interview, die Finanzinstitute des Landes wollten “Krypto als experimentelles Konstrukt zulassen”.
Der Payment Services Act von 2019 regelt Singapurs rechtlichen Rahmen für Krypto und balanciert regulatorische Notwendigkeiten mit Wachstumsanreizen. Kryptowährungen sind in Singapur von der Kapitalertragssteuer befreit.
Einzelpersonen wie Unternehmen sollten das bei der Suche nach Krypto-Freundlichkeit berücksichtigen. Singapur könnte sich in den nächsten Jahren zu einem der besten Standorte für Krypto entwickeln.
Malta
Der kleine Mittelmeer-Inselstaat gilt seit langem als freundliches Gesicht für Krypto-Investoren. Viele Kryptobörsen und Blockchain-Projekte operieren wegen dieser Freundlichkeit von dort aus.
Malta begrüßte sogar Binance, nachdem Hongkong seine Vorschriften verschärft und die Börse zur Suche nach freundlicheren Standorten gezwungen hatte.
Als EU-Mitglied bietet Malta Krypto-Projekten mit Sitz im Land zusätzlich freien Betrieb in der gesamten Europäischen Union.
Kritik an der laxen Regulierungshaltung bleibt trotzdem nicht aus.
Die Financial Action Task Force (FATF), ein zwischenstaatliches Gremium mit 39 Mitgliedstaaten, äußerte in einem vertraulichen Treffen Bedenken zu einer angeblichen Kryptowährungssumme von 60 Milliarden Euro (71,2 Milliarden US-Dollar), die Malta passiert hatte.
Vorwürfe zu illegaler Nutzung gab es dabei keine, die Hauptsorge galt einer fehlenden Aufsichtsbehörde.
Ob es auf der kleinen Mittelmeerinsel zu strengerer Regulierung kommt, bleibt abzuwarten. Reiche Krypto-Investoren aus Nicht-EU-Ländern dürften das 1,5-Millionen-Euro-Staatsbürgerschaftsangebot (1,78 Millionen US-Dollar) und die laxe Krypto-Haltung des Landes weiterhin in Betracht ziehen.
Zypern
Zypern ist ein weiterer Mittelmeer-Inselstaat mit einer bekannt lockeren Haltung gegenüber Kryptowährungen wie Bitcoin. Reguliert ist der Bereich noch nicht, ein solcher Weg zeichnet sich aber ab.
Die Zentralbank Zyperns gab bereits 2014 offizielle Richtlinien zu Kryptorisiken heraus, sichtlich besorgt über das Verlustpotenzial.
Die Cyprus Securities and Exchange Commission richtete zudem einen Innovation Hub für Unternehmen ein, um Wissen im Sinne des Anlegerschutzes auszutauschen. Insgesamt bleibt das Feld für Krypto in Zypern aber offen.
Einzig ICOs (Initial Coin Offerings) fallen derzeit klar unter die rechtliche Zuständigkeit Zyperns, Gelder daraus gelten als steuerpflichtiges Einkommen.
Gleichzeitig ist Zypern für seinen attraktiven Körperschaftsteuersatz von 12,5 Prozent bekannt.
Die zyprische SEC drängt zwar auf mehr Aufsicht. Bislang fehlen aber Mining-Beschränkungen, Nachweispflichten und ein rechtlicher Rahmen für Kryptowährungen in Nachlässen.
Bermuda
Bermudas Digital Asset Business Act 2018 regelt Einzelpersonen und Unternehmen, die Kryptowährungen und andere digitale Vermögenswerte ausgeben, verkaufen oder einlösen, als Krypto-Zahlungsanbieter Geldtransfers anbieten, eine Kryptobörse betreiben, Wallet-Dienste bereitstellen oder als Anbieter von Kryptowährungsdiensten auftreten.
Damit ist klar geregelt, was digitales Geschäft auf Bermuda ausmacht, ganz ohne Einkommens- und Kapitalertragssteuer. Als eines der ersten Regime für digitales Geschäft wirkt das Land wie ein Magnet für Einzelpersonen und Unternehmen.
Ein Beispiel für Bermudas Krypto-Freundlichkeit sind die Bitcoin-ETFs.
Ende 2020, nach jahrelangen erfolglosen Versuchen, einen Bitcoin-ETF in den USA zu lancieren, genehmigte die Bermuda Stock Exchange den Hashdex Nasdaq Crypto ETF.
Er zählte zu den ersten seiner Art und zeigt, dass das Land vorausschauend denkt.